Gedanken über die Zeit und den Ruhestand

Etliche Menschen aus meinem Umfeld und aus meinem Jahrzehnt gehen  derzeit in Altersteilzeit oder den Vorruhestand.

Wenn ich über den Ruhestand nachdenke, geht es mir vor allem um  die Zeit. Darum, wie sich Tage anfühlen, wenn die Arbeit nicht mehr ihren festen Platz darin hat.

Durch das Homeoffice habe ich heute schon viele Freiheiten. Ich muss nicht pendeln und kann meinen Alltag recht gut mit der Arbeit verbinden. Aber die Arbeit muss trotzdem gemacht werden. Sie bleibt eine Verpflichtung und eine Verantwortung. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps – auch wenn der Dienst am eigenen Schreibtisch stattfindet.

Irgendwann wird auch für mich aus dem Feierabend ein ganzer Tag – und aus einzelnen freien Tagen ein neuer Alltag. Gleichzeitig frage ich mich, was ich auf Dauer mit dieser Freiheit  und Freizeit dann anfangen würde. Es gibt einiges, das ich noch machen möchte: ob am oder im Melchergütl, einige  Bastelprojekte, Menschen treffen, Kunst und Kultur. Nur wäre manches davon vermutlich nach einem halben Jahr erledigt und danach wird trotzdem wieder Dienstag sein.

Viele Menschen sagen über den Ruhestand: „Dann können wir endlich reisen.“ Das verwundert mich etwas. Nicht, weil ich Reisen für falsch halte. Ich reise selbst gelegentlich gern. Aber viele dieser Menschen sind auch während ihres Berufslebens schon gereist. Warum soll es nun im Ruhestand zu etwas werden, das unbedingt und möglichst oft geschehen muss?

Manchmal klingt es für mich weniger nach Vorfreude als nach Torschlusspanik: jetzt noch dorthin, das noch sehen, jenes noch erleben. Vielleicht steht dahinter die Erkenntnis, dass Lebenszeit nicht unbegrenzt ist. Nur frage ich mich, ob die Antwort darauf wirklich sein muss, immer mehr in die verbleibende Zeit hineinzupacken. Ist eine volle Zeit deshalb schon eine erfüllte Zeit?

Natürlich möchte ich etwas tun und erleben. Nichtstun ist kein Ziel für mich. Aber ich habe Langeweile gelernt. Sie ängstigt mich nicht. Sie ist manchmal eben da, ohne dass ich sie sofort vertreiben muss. Dann sitze ich eine Weile draußen, schaue in den Himmel und den Wolken nach. Irgendwann entsteht ein Gedanke, eine Idee oder die Lust, etwas zu machen. Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm.

Vielleicht ist das der Unterschied. Die einen fürchten, dass ihnen die Zeit davonläuft. Ich neige eher dazu, lange über sie nachzudenken. Ich bin halt ein „Denkeviel“. Auch Gelassenheit bedeutet bei mir nicht, dass im Kopf Ruhe herrscht. Sie bedeutet wohl eher, dass nicht jeder Gedanke gleich eine Aufgabe werden muss.

Manchmal schaue ich meinen Hund an, wie er einfach daliegt und mit dem zufrieden zu sein scheint, was gerade ist. Dann denke ich: Ein bisschen wäre ich gern wie er. Nicht immer überlegen, was man mit seiner Zeit machen sollte.

Einfach ab und zu in den Himmel schauen reicht ja auch.

Bild: KI generiert

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